Über mich – eine Art Lebenslauf
Meine frühesten Erinnerungen bestehen aus Melancholie, die ich nie erlebte, Dramen, an denen ich nie teilnahm, gute Zeiten, die ihre Augen leuchten ließen und schlechte, deren Ausmaß mir nie wirklich bewusst werden wird.
Fotos. In jener Schatzkiste.
Na ja. Kaffeedose.
Aber sie beinhaltete einen Schatz. Schwarz-weiß-vergilbt. Durch das Jahrhundert hindurch. Erläutert. Interpretiert. Idealisiert und verflucht durch die Frau, die dabei war, oder einst auch nur davon erzählen hörte. Sie aber selbst lehrte mich die Faszination ihrer Fotos, geschmückt mit Geschichten und Erinnerungen meiner Großmutter.
Und dann irgendwann ich.
Erstes Glucksen.
Erstes „Mama“.
Erste Schritte.
Erster Schultag.
Erste Kommunion.
Erster Urlaub ohne Eltern.
Erster Freiheitskampf.
Achtzehn Jahre durch tausend Hände gegangen.
Weißt du noch?
Wie schön.
Wie schwierig.
Und vor allem eine Erinnerung an das was war. Begleiter, Mahner.
Und dann.
Zum ersten Mal wirklich hinter den Dingen, festhaltend, was vor mir geschieht. Spiegelnd reflektiert. Meine Begleiter, das Haus, jene Spinne, deren Faszination mir die Angst vor ihr nahm. Sie alle hatten etwas gemeinsam. Sie hielten mich fest, oder doch das, was ich zu sein schien. Meine Schatzkiste umfasst wahrscheinlich das Zehnfache der meiner Großmutter. Doch die Frage ist nicht mehr nur, wer verewigt wurde, sondern wer verewigte.
Reicht mir das?
Ich will, dass auch mir gierig Geschichten entlockt werden. Dass man sieht, was ich sehe. Die Macht der Fotos erkennt.
Kommunikation ist schon lange nicht mehr nur das geschriebene oder ausgesprochene Wort. Gemälde, Fotografien, Grafiken. Werbung, Kunst und Kitsch transportieren heute oft eindrucksvoller Kommunikation als Buchstaben, vor allem weil sie mehr Menschen erreichen und oftmals auch mehr emotionale Regungen auslösen. So kann fast niemand umhin großformatige plakative Darstellungen zu sehen und zu interpretieren, ihre manipulative Macht zu erkennen oder ihr zu erliegen.
Ich möchte die Hintergründe dieser „Kunst“ erfahren, möchte wissend darstellende Kommunikation nutzen, die oftmals subtilen Nuancen einsetzen und – das vor allem – den Blick eine Sekunde länger gefangen nehmen.
Mein Ideal, eine Utopie? Ist die Reizüberflutung unserer Zeit das selbstausgehobene Grab für die Faszination der Fotografie? Dass ich sie nicht neu erfinden kann ist mir vollends bewusst. Aber kann sie noch bewegen? Oder ist sie denn doch nur noch eine Dienstleistung, ein Mittel zum Zweck?
